Clubhouse - der neueste Trend am Social-Media-Horizont


Ein audiobasiertes Social Network

Das Konzept unterscheidet sich stark von den bekannten “Global Playern” wie Facebook, Instagram, Twitter und Co, denn dort trifft man sich in Audio-Chats, sogenannten „Rooms“ und diskutiert untereinander live zu einem bestimmten Thema! Jeder User kann öffentlichen Räumen beitreten oder einen eigenen “Room” eröffnen, in denen es zwei unterschiedliche Ebenen gibt. Auf einer Art virtuellen Bühne versammeln sich Moderatoren und Sprecher, die sich aktiv untereinander verbal austauschen - im Publikum versammeln sich Zuhörer, die dem Talk in einer Art Podcast lauschen. Für Letztere gibt es jedoch die Möglichkeit, die Hand zu heben, um so den Moderatoren zu signalisieren, an der Diskussion teilnehmen zu wollen.

Wer macht Facebook und Co. Konkurrenz?

Die App wurde bereits im Frühjahr 2020 vom Softwareentwickler Alpha Exploration Co. in den USA veröffentlicht und erlebt nun seit 2021 einen riesigen Nutzer-Ansturm in Deutschland. Entwickelt und gegründet wurde Clubhouse von dem ehemaligen Google-Mitarbeiter Rohan Seth und dem Stanford-Absolventen und ehemaligen Pinterest-Mitarbeiter Paul Davison. Nur wenige Monate nach der Gründung erhielt das US-Startup eine Finanzierung über knapp 10 Millionen Euro (12 Millionen US-Dollar) von der berüchtigten Investmentfirma Andreessen Horowitz - dabei hatte Clubhouse zu dem Zeitpunkt gerade einmal 1.200 Beta-Tester. Heute sollen es schätzungsweise 1,3 Millionen Nutzer weltweit sein und bereits mit knapp 100 Millionen US-Dollar bewertet werden.

Exklusivität & Promi-Nähe wecken Begehrlichkeiten

Um die App überhaupt Nutzen zu können, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt werden: Zum einen benötigt man ein iPhone - bisher ausschließlich für iOS verfügbar. Zum anderen muss man dazu von einem bereits registrierten User eingeladen werden, wobei jeder neue Nutzer zu Beginn zwei Einladungen erhält, die er an seine Kontakte versenden kann. Weitere Einladungen können anschließend durch aktive Teilnahme in der App verdient werden.

Zusätzlich wird der Hype um Clubhouse davon genährt, dass auch viele Personen des öffentlichen Lebens bereits ”Member” sind unter anderem die US-Schauspieler Jared Leto und Ashton Kutcher. Aber auch aus deutscher Sicht reihen sich einige Hochkaräter wie Joko Winterscheidt, Palina Rojinski, Elyas M'Barek, Christian Lindner, Dorothee Bär, Carsten Maschmeyer & Judith Williams in diese Liste mit ein. Dass man bei Clubhouse ungewöhnlich vielen Showstars und Politikern begegnet, ist kein Zufall, sondern Kalkül der Macher. Künstliche Verknappung plus Exklusivität der Gäste – so programmiert man einen Hype.

Mobile only oder auch im Browser aufrufbar?

Clubhouse ist der aktuelle Chartstürmer des App-Stores, doch wer den Talk-Runden auf der neuen sozialen Plattform nicht nur über das iPhone lauschen möchte, sondern lieber am Desktop-PC oder Mac zuhören will, schaut aktuell in die Röhre. Weder im Microsoft Store noch im Mac App Store findet sich derzeit eine Clubhouse-App. Fündig werden Suchende hingegen - so scheint es - im Chrome Web Store. Dort gibt es eine Browsererweiterung mit gleichem Namen und Logo. Doch die Anwendung wirkt bereits auf den ersten Blick recht dubios und ist kein offizieller Client mit Zugriff auf die offizielle App. Somit bleibt Clubhouse den iPhone-Nutzern vorbehalten, wobei sich die App aktuell noch in der Beta-Phase befindet und der nächste Schritt laut den Entwicklern ist, diese auch für Nutzer mit dem Google-Betriebssystem Android zu ermöglichen.

Neue Möglichkeiten für Unternehmen?

Wo sich viele Menschen tummeln, da liegen auch immer große Chancen für Unternehmen. Je nach Branche und Zielgruppe besteht aktuell eine neue Möglichkeit, sich in einer neuen Community zu platzieren und sich individuell eine spezifische Zielgruppe aufzubauen. Im direkten Austausch mit der potenziellen Käuferschaft lassen sich sowohl aktuelle Unternehmens-, Branchen und vor allem Produkt-Updates diskutieren und das direkte Feedback des Kunden einholen - ein mehr als interessanter Aspekt in Sachen Branding, Product und Marketing. Aber auch zur internen Kommunikation lässt sich Clubhouse nutzen. So besteht die Option, geschlossenen Räume für firmeninterne Kommunikationszwecke, z.B. Schulungen, digitale Mitarbeiter-Events oder sogar zu Bewerbungsgesprächen auf modernste und innovativste Art und Weise zu nutzen.

Aktuell geht noch nicht um große Reichweiten, weshalb sich diese Potenziale erst noch zeigen müssen. Wer jedoch als Early Adopter den Zeitvorsprung für sich nutzen und von den Vorteilen profitieren möchte, muss schnell reagieren und von starken Netzwerkeffekten profitieren.

Check: Pro und Contra

Für den Moment jedenfalls ist die App faszinierend und hat das Potenzial zu einer Plattform für einen direkten und transparenten gesellschaftlichen Diskurs zu werden – bei der sich wirklich alle miteinander austauschen können. Egal ob Promi und Fan, Politiker und Wähler, Investor und Unternehmensgründer oder Arbeitgeber und Mitarbeit - die Vielfältigkeit der Einsatz- und Anwendungsmöglichkeiten ist enorm. Zudem ist es ein schönes Gimmick zum Zeitvertreib, denn nach dem neuesten Update ist es möglich, die App im Hintergrund laufen zu lassen und so den Gesprächen im Podcast style lauschen zu können, während einer anderen Beschäftigung nachgegangen werden kann.

Und obwohl die App noch sehr jung ist, gibt es bereits einige Kontroversen. Größter Kritikpunkt ist der Datenschutz, denn die App benötigt den Zugriff auf die eigenen Kontakte und zeichnet außerdem alle Gespräche auf, die jedoch zum Ende einer Talk-Runde wieder gelöscht werden. Auch das altbekannte und vor allem auf Social Media stets präsente Problem von extremen oder Hass-Inhalten ist den Kritikern ein
Dorn im Auge. Bisher geht die Plattform nur sehr langsam bzw. nicht konsequent genug gegen Gesprächsräume, in denen sich über Hass auf Muslime, Juden, Schwarze und Frauen ausgetauscht wird, vor. Gerade in Zeiten, in denen Facebook, Twitter und Co. gegen das Verbreiten von Falschnachrichten vorgeht, ist dies mehr als schwierig zu bewerten.

Clubhouse: Wird sich der Hype durchsetzen?

Der Ansatz der App ist mehr als spannend und sie kommt zu einem richtigen Zeitpunkt, in der sich Menschen ausschließlich digital austauschen können, wie wohl selten eine digitale Lösung zuvor. Aktuell präsentiert sich die App als eine Art Podcast oder Talkshow, bei der man die Möglichkeit erhält, selbst ein Wörtchen mitreden zu können - und bei der man plötzlich die Chance erhält, in den direkten Austausch mit berühmten Personen und Entscheidern zu kommen. Letztlich steht und fällt die Clubhouse-App wohl damit, ob sie spannenden Content liefern kann, der sich deutlich von Podcasts und anderen sozialen Netzwerken unterscheidet. Wir sind gespannt, wie sich die App in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt, ob sie sich etabliert oder ob sie genauso schnell wieder verschwindet, wie sie aufgetaucht ist.