Mitarbeiter der Werbeagentur dreibein macht 5-Sekundentest bei einer Website

Der 5 Sekunden Test - So testen Sie Ihre Website

・verfasst von Florian Werner


Wenn Sie eine Antwort auf eine Frage im Netz suchen, starten Sie Ihre Recherche normalerweise mit einer Suchmaschine. Im Regelfall wird dies Google sein. Sobald Sie Ihre Frage oder Ihre Suchwörter eingetippt haben, klicken Sie sich auch schon schnurstracks durch die Ergebnisse. Was denken Sie, wie lange brauchen Sie, um zu entscheiden, ob Sie auf dieser Seite richtig sind oder ob Sie zum nächsten Ergebnis klicken sollten?

In der Praxis sind es weniger als fünf Sekunden. Und hier kommt auch schon die Brücke zum "5-Seconds-Test". Bei diesem Test wird eine Website oder Design einer Website einer oder mehreren Versuchspersonen für fünf Sekunden präsentiert. Anschließend müssen diese Personen eine Reihe an Fragen beantworten.

Warum dauert der Fünf Sekunden Test genau fünf Sekunden?

Beim Fünf-Sekunden-Test geht es darum den ersten Eindruck zu untersuchen. Dieser ist oft unterbewusst und es bleibt kaum Zeit sich die Überschriften oder gar Texte der Seite durchzulesen. Man überfliegt die Seite und blickt vor allem auf die größten Elemente, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das können Bilder sein, aber auch große Farbflächen, die durch Signalfarben den Blick auf sich ziehen.

Fünf Sekunden sind dabei eine sehr kurze Zeit. Wenn Sie Lust haben starten Sie doch einmal die Stoppuhr und werfen Sie 5 Sekunden lang einen Blick auf Ihre eigene Website oder gerne auch auf diese Seite. Sie werden merken wie erstaunlich kurz dieser Zeitraum ist.

Worum geht es beim Fünf-Sekunden-Test und worum geht es nicht?

Bei diesem Test geht es um den ersten Eindruck, der beim Konsumenten einer Website entsteht. Man möchte testen, was der Kunde innerhalb kürzester Zeit wahrnimmt, aber auch was er nicht wahrnimmt.

Viele Websites leiden unter dem Problem, dass auf den ersten Blick nicht erkennbar ist, was das Unternehmen macht und welche Informationen dazu auf dieser Website angeboten werden. Hier schafft der Fünf-Sekunden-Test Abhilfe und sorgt dafür, dass man genau dies testet.

Worum es nicht geht, ist die Usability, also die Benutzerfreundlichkeit einer Website. In den ersten fünf Sekunden wäre dies auch nicht möglich, da man diese Zeit meist schon benötigt, um sich einen Eindruck über die Struktur der Website und den Aufbau zu machen.

Doch das ist auch nicht das Ziel des Tests, denn selbst wenn der Nutzer nur wenige Sekunden zum Betrachten einer Website hat, bildet er sich ein emotionales Urteil über die Website und über das Unternehmen dahinter. Hier zeigt sich vor allem der sogenannte Halo-Effekt. Dieser besagt, dass ein Nutzer von einem Merkmal, das sehr prägnant ist, auf ein anderes schließt. Das klassische Beispiel für diesen Effekt kennen wir aus unserem normalen Alltag. Sie sehen z. B. in einem Restaurant eine sehr schick gekleidete Person und schließen automatisch darauf, dass diese Person gute Manieren hat oder evtl. sogar noch beruflich erfolgreich ist. Dies hat prinzipiell nichts miteinander zu tun, doch im Laufe der Evolution hat sich dieses Merkmal als großer Helfer für unsere Vorfahren herausgestellt, denn in der Praxis steckt in diesem Halo-Effekt oft ein wahrer Kern.

Dieser Halo-Effekt kann Ihnen bei Ihrer eigenen Website zum Vorteil, aber auch zum Nachteil gereichen. Ein erfolgreiches und klar strukturiertes Unternehmen, dass für die Zukunft aufgestellt ist, sollte genau dies auch in seinem Webdesign ausdrücken. Veraltetes Design, technische Fehler und lange Ladezeiten sorgen dafür, dass Ihre Nutzer darauf schließen, dass genau dies auch in Ihrem Unternehmen der Fall ist. Wer ein veraltetes Webdesign hat, kann auch kein modernes Unternehmen sein. Wer lange Ladezeiten hat, hat wahrscheinlich auch lange Lieferzeiten und eine schwer zu bedienende Website sorgt dann noch dafür, dass der Nutzer ein Unternehmen als bürokratisch einordnet und ihm schlechte Prozesse zuschreibt.

Natürlich muss all dies nicht der Fall sein, doch seien Sie mal ehrlich: Würden Sie bei einem alten, verfallenen Firmengebäude auf eine hochmoderne, klar positionierte und erfolgreiche Firma im Inneren schließen? Wohl kaum, oder?

Der Halo-Effekt kann dabei im Marketing aber auch explizit genutzt werden, um Merkmale bewusst in den Vordergrund zu rücken, die dann einen positiven Schluss auf das gesamte Produkt nach sich ziehen. Hier ein paar Beispiele:

  • "Deutschlands meistgekaufte Matratze kostet nur …."
  • "Die beste Kamera in einem Smartphone …."
  • "Der geringste Verbrauch seiner Klasse …"
  • "Der Staubsauger mit der höchsten Saugkraft …"

All diese Merkmale sagen nichts über das generelle Produkt aus, dennoch schließen wir aus einem Merkmal, dass das gesamte Produkt hervorragend sein müsse.

Dem Halo-Effekt wird beim Fünf-Sekunden-Test genau aus diesen prägnanten Gründen eine hohe Bewertung beigemessen. Er kann darüber entscheiden, ob Kunden bei Ihnen kaufen oder nicht. Da die Prozesse in unserem Kopf unterbewusst ablaufen, sind Sie extrem schnell und das Urteil bildet sich meistens schon innerhalb der ersten Sekunde.

Doch selbst wenn die generelle Benutzerfreundlichkeit in fünf Sekunden nicht betrachtet werden kann, kann die sogenannte Content-Usability dennoch getestet werden. Hierbei geht es darum, dass der Nutzer schnell und direkt erkennen kann, worum es auf dieser Seite geht. Gerade bei großen B2B Organisationen ein häufiges Problem, da die Anzahl der Dienstleistungen oder Produkte so verzweigt ist, dass der schnelle Überblick ein großes Problem darstellt. Hier empfiehlt es sich immer, sein Inhalts-Konzept mittels eines Fünf-Sekunden-Tests auf die Probe zu stellen.

Welche Personen sollten bei einem fünf Sekunden Test beteiligt werden?

In zahlreichen Portalen gibt es die Möglichkeit, Five-Seconds-Tests von Testnutzern zu kaufen. Diese sogenannten Usability-Tester sind darauf spezialisiert, Websiten in Ihrer Benutzerfreundlichkeit zu bewerten und Verbesserungen vorzuschlagen. Das Problem ist jedoch in diesem Fall, dass die Zeitspanne viel zu kurz ist, um wesentliche Merkmale der Benutzerfreundlichkeit zu erkennen. Vielmehr geht es um den berühmten “ersten Eindruck”.

Da der überwiegende Teil dieses ersten Eindrucks unterbewusst erfolgt, sollte man vor allem die Personen zu einem Fünf-Sekunden-Test einladen, die man mit der Website ansprechen möchte. Die Tester sollten einen Querschnitt Ihrer Zielgruppe abbilden und im Idealfall Ihre erarbeiteten Personas perfekt repräsentieren.

Hier bietet es sich natürlich auch an, nicht nur Menschen als Tester zu holen, die Ihrer Zielgruppe sehr ähnlich sind, sondern die dieser sogar zu 100% entsprechen. Wer das sein könnte? Nun ganz einfach, Ihre jetzigen Kunden. Niemand passt besser auf Ihr Zielgruppenprofil als Ihre aktuellen und langjährigen Bestandskunden.

Das Thema Zielgruppe klingt dabei immer sehr abstrakt, dabei ist das, worum es uns bei dieser Definition geht, alles andere als abstrakt. Es geht uns um die Persönlichkeit Ihrer Kunden, um Ihre Kunden als Menschen und um die Emotionen und Erfahrungen, die mit dieser Persönlichkeit verbunden sind. Ein sehr datengetriebener Mensch wird einen anderen ersten Eindruck einer bildgewaltigen Startseite haben, als ein sehr emotional-getriebener Charakter.

Kurz gesagt sollten Sie beim Fünf-Sekunden-Test im Idealfall einen Querschnitt Ihrer Kunden als Testnutzer einbringen. Mit einem kleinen Gutschein als Dankeschön können Sie bestimmt den einen oder anderen Nutzer für eine Teilnahme gewinnen. Vergessen Sie dabei aber bitte nicht auch die zweite Zielgruppe, die im Regelfall jedes Unternehmen hat, die Zielgruppe Ihrer Bewerber von morgen. Nutzen Sie zum Testen bei dieser Zielgruppe auch gerne Ihre Mitarbeiter. Vorrangig die Kollegen, die noch nicht so lange im Team sind und die noch einen etwas “externeren” Blick haben.

Sie haben noch gar keine Kunden und Mitarbeiter und sind frisch in der Unternehmensgründung? Kein Problem, denn auch hier lässt sich der Fünf-Sekunden-Test durchführen. Mittels einer Social Media Kampagne, die man sehr genau auf Ihre Zielgruppe targetieren kann, können auch hier relevante Ergebnisse eingeholt werden. Wichtig ist hierbei aber, dass sich die Teilnahme für den Tester lohnt. Dies kann z. B. wieder mit einem Gutschein erfolgen oder mit einem exklusiven Vorteil als Kunde der ersten Stunde.

Auch andere Unternehmen, die sich z. B. eine ähnliche Zielgruppe mit Ihnen teilen, können Ihnen bei der Durchführung des Fünf-Sekunden-Tests als Existenzgründer helfen. Kontaktieren Sie uns gerne, wenn wir Sie bei der Durchführung unterstützen können.

Ein Fünf-Sekunden-Test kann immer auch persönlich ganz ohne Softwaretools durchgeführt werden

Welche Fragen stellt man den Probanden?

Beim Fünf-Sekunden-Test geht es um den ersten Eindruck. Um nicht mehr, aber auch um nicht weniger. Das bedeutet, dass Ihre Fragen auf den ersten Eindruck abzielen sollten. Dies könnten beispielsweise sein:

  • Um was geht es auf der Website?
  • Was macht das Unternehmen bzw. welche Produkte bietet es an?
  • Ist es ein regional oder eher global agierendes Unternehmen?
  • An welche Einzelheiten können Sie sich erinnern?
  • Haben Sie eine Kontaktmöglichkeit gefunden?
  • Ist es ein innovatives oder eher traditionelles Unternehmen?
  • Wirkte das Webdesign modern oder traditionell?

Wie so oft bei diesen Tests entscheidet aber die Qualität der Fragen über die Qualität der Ergebnisse. Nehmen Sie sich Zeit für die Erstellung der Fragen und erarbeiten Sie diese konzentriert. Je besser die Fragen sind, umso besser die Ergebnisse der Auswertung, die dann direkt in das Design einfließen können.

Bei welchen Problemen hilft ein fünf Sekunden Test nicht?

Ein Fünf-Sekunden-Test stellt den ersten Eindruck auf die Probe und ist nicht geeignet, um größere Probleme bei der Benutzerführung aufzudecken. Probleme, die dieser Test nicht aufdeckt, sind beispielsweise:

  • Sind die Menüpunkte klar und treffend benannt?
  • Wie ist die Benutzerfreundlichkeit des Menüs?
  • Sind Inhalte klar und verständlich geschrieben?
  • Wie gefällt Ihnen das Design der gesamten Website?
  • Welchen Mehrwert bringt Ihnen die Website?

Für alle Fragen, die den normalen Besuch einer Website erfordern, der im Regelfall zwei bis zehn Minuten dauert, bieten sich andere Tests an. Auch ändert sich bei diesen Fragestellungen oft die Nutzergruppe. Wo es beim Fünf-Sekunden-Test eher um einen unterbewussten Eindruck geht und deshalb keine Erfahrung im Testing von Websites vorhanden sein muss, geht es bei ausführlicheren Nutzer Tests um den bewussten Eindruck. Hier bedarf es durchaus einiger Erfahrung im Testing von Websites, schließlich muss man auch begründen können, warum man sich auf einer Website schlecht zurechtgefunden hat.

Denn was einfach klingt, ist in der Realität sehr schwer. Stellen Sie sich doch einmal die Frage, warum Sie sich z. B. mit einem Auto verfahren haben. Klar kann man das fehlende Schild als Ursache nennen, doch in der Praxis ist die Problematik oft sehr viel größer. Neben nicht vorhandenen Elementen spielen oft auch Ablenkungen, fehlende oder zu viele Animationen oder Kontraste eine Rolle. Aus diesem Grund sollte man bei einem ausführlichen Usability-Test neben Ihrer Zielgruppe auch erfahrene Tester einladen.

Wie führt man einen Fünf-Sekunden-Test durch?

Für die Durchführung eines Fünf-Sekunden-Tests gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Die einfachste Option ist es, einen Screenshot der Website, die getestet werden soll, auf einem Monitor parat zu halten. Daraufhin wird der Screenshot einer Testperson fünf Sekunden lang gezeigt und anschließend wieder verborgen. Die Fragen werden dem oder der Tester/-in dann im Anschluss direkt persönlich gestellt. Diese Herangehensweise hat den Vorteil, dass Sprechen für den Nutzer sehr viel schneller geht als tippen. So kann der unterbewusste Eindruck wesentlich besser widergespiegelt werden. Sobald ein Nutzer seine Ergebnisse schriftlich festhalten muss, denkt er mehr über seine Worte nach. Der unbewusste Eindruck verfälscht sich und Überlegungen, die im Nachhinein stattfinden, beeinflussen mehr und mehr seinen Eindruck. Wenn es für Sie möglich ist, führen Sie deshalb den Fünf-Sekunden-Test auf diese Art und Weise durch.

Die Luxusvariante wäre, wenn Sie zum Test sogar zu Ihrem Kunden fahren und er den Test auf seinem gewohnten Endgerät durchführen kann. So verfälscht kein anderer Monitor seine Wahrnehmung und seinen ersten Eindruck. Da der Fünf-Sekunden-Test in seiner Ausführung so einfach ist, wäre es z. B. denkbar, dass Sie die Aufgabe der Durchführung Ihrem Außendienst übertragen.

Da die persönliche Variante natürlich oft nicht möglich ist, gibt es zahlreiche digitale Alternativen. Als Beispiel sei hier usabilityhub.com genannt. Die Seite hat sich auf die Durchführung von Website-Tests spezialisiert und bietet neben "First Click Tests", Designumfragen und A/B-Tests eben auch Fünf-Sekunden-Tests an. Auf der Website kann dann einfach nach dem Anlegen eines persönlichen Kontos ein Test initialisiert werden. Das Setup ist denkbar einfach. Nach der Erstellung eines "Welcome Screens", muss nur ein Screenshot der Seite hochgeladen werden, die Dauer der Anzeige eingestellt werden und anschließend die Fragen hinterlegt werden, die Sie dem Nutzer stellen möchten. Ist das erledigt, kann es auch schon losgehen. Ein Gutschein Code als Dankeschön für die Teilnahme lässt sich übrigens dann auch auf einer "Thank-you Page" unterbringen, die dem Nutzer nach Fertigstellung des Tests automatisch angezeigt wird.

Der Vorteil bei dieser Test-Variante liegt klar auf der Hand. Die Einrichtung und der Aufwand, um den Test zu erstellen, ist sehr gering. Abgesehen natürlich von der Erstellung der Fragen.

So sieht die Erstellung eines Five-Second-Tests auf Usability.com aus
So sieht die Erstellung eines Fünf-Sekunden-Tests auf Usabilityhub.com aus

Wie wertet man die Ergebnisse des Tests aus?

Die Ergebnisse des Tests richten sich immer nach den gestellten Fragen. Sind diese sinnvoll und gut überlegt, sind die Änderungen, die sich daraus ergeben, oft sehr klar. Grundsätzlich wird durch die Fragen immer der erste Eindruck verbessert. Die Antworten führen deshalb immer zu einem geänderten Design oder Inhaltskonzept. Änderungen an Texten ergeben sich eher selten aus den Antworten des Fünf-Sekunden-Tests.

Fazit zum Fünf-Sekunden-Test

Dieser Test stellt gerade aufgrund seiner Einfachheit und schnellen Durchführbarkeit eine sinnvolle Ergänzung zu jedem Website-Projekt dar. Auch eignet er sich sehr gut, um beispielsweise den Erfolg eines Relaunches (was es hierbei zu beachten gilt, finden Sie hier ) mit den Ergebnissen der alten Website zu vergleichen.

Wichtig ist aber nochmals zu erwähnen, dass es bei dieser Testmethode um den ersten Eindruck und auch eher den unterbewusste Wirkung einer Website geht. Einen ausführlichen Test der Benutzerfreundlichkeit einer Website oder eine Auswertung der Klicks auf verschiedene Inhalte, kann dieser Five-Seconds-Test niemals ersetzen. Für Marketingleiter bietet sich dieser Test aber auch immer an, um gute Argumente für einen Relaunch und ein geändertes Design parat zu haben. Schließlich entstammen die Ergebnisse keiner persönlichen Meinung, sondern einer kundenorientierten Analyse.

P.S.: Ein Five-Seconds-Test bietet sich auch ideal an, um das Design im Druckbereich oder andere Gestaltungen wie z. B. einen Messestand, ein Logo oder eine Broschüre auf die Probe zu stellen. Hierbei spielt zwar oft die Haptik und die Umgebung eine entscheidende Rolle auf die Wirkung, doch ein erstes Feedback zum unterbewussten Eindruck erhalten Sie dadurch auf jeden Fall.

Sie haben Fragen zur Benutzerfreundlichkeit von Websites? Sprechen Sie uns gerne an. Wir sind Experten im Bereich der gezielten Nutzerführung und Optimierung von Websites. Kontaktieren Sie uns jederzeit, wir unterstützen Sie gerne bei Ihrem Projekt.

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Florian Werner