Onlineshops im Wandel - Rückblick auf die eCommerce Expo 2020 in Berlin

・verfasst von Florian Werner


Kurz vor dem Valentinstag am 13. Februar 2020 fand sie dieses Jahr statt: die eCommerce Expo in Berlin im Station Gelände. Was ich dabei bei den zahlreichen Vorträgen so erlebt habe und welche Aussteller mich nachhaltig beeindruckt haben, erfahren Sie in meinem heutigen Blog-Beitrag.

Ankommen

Ich reise bei solchen Terminen immer gerne am Vortag an. So kann ich am nächsten Tag zu einer humanen Uhrzeit aufstehen, idealerweise noch einen Morgenlauf machen, um Kopf und Körper “einsatzbereit” zu machen und bin dann auf der Messe voll leistungsfähig und auch gedanklich bei der Sache. Ich schlief nahe der Messe im Holiday Inn und starte von dort aus am nächsten Tag zu Fuß zur Messe.

Die Sonne lachte auf dem Weg zur eCommerce Expo

Ab auf die eCommerce Expo

Auf dem Weg zur Messe finden sich immer mehr Menschen zusammen und vor der Messe, die im Station Gelände stattfindet, bildet sich eine regelrechte Menschentraube. Mir ist das Gelände mehr als positiv in Erinnerung, denn hier hatte ich im Jahr 2017 mit Tobias meine Startnummer für den Berlin Marathon abgeholt. Damals war der Ansturm allerdings noch wesentlich höher, die Ausstellungsfläche aber auch größer. Auf dem Gelände angekommen hieß es erstmal QR Code scannen, und zwar auf einem gedruckten Blatt Papier. Was mir zuerst auf einer eCommerce Messe etwas kontraproduktiv vorkam, erwies sich hier dann als sinnvoll, denn der QR Code wurde mittels eines Umhängebandes zum Namensschild. Interessanterweise war der Vorname sehr groß abgedruckt, der Nachname dagegen nur klein und unscheinbar. Warum? Ganz einfach, die IT und Marketing Branche ist schnell per “du” und das ist auch gut so. Egal, wenn ich im Laufe des Tages kennengelernt habe, wir waren gleich beim Vornamen.

Was mir ebenfalls auffiel, Anzug und Sakko waren die Ausnahme. Ganz im Gegenteil! Die Kombination aus Sneaker, Jeans und Hemd war das Outfit der Wahl. Egal ob ITler, Marketer, Entscheider oder Geschäftsführer. Die Branche ist im Wandel. Für tolle IT und geniales Marketing braucht es weder Anzug noch Krawatte. Es braucht Ideen und Menschen, die diese haben. Und noch mehr, es braucht eine gute Vernetzung und Kommunikation zwischen Menschen, was dann zu neuen Ideen führt. Alles, was Distanz zwischen diesen aufbaut, ist daher kontraproduktiv.

Spannende Vorträge ergänzten das Messeprogramm der eCommerce Expo

AIAIAI, oder „künstliche Intelligenz“ einfach überall

Falls Sie sich gefragt haben, was das für eine seltsame Überschrift ist, keine Sorge. Wir klären Sie sofort auf. Der Begriff AI steht für Artifical Intelligence oder zu Deutsch "künstliche Intelligenz". Dieser Begriff war sowohl in der englischen als auch in der deutschen Schreibweise auf der kompletten Messe extrem präsent. AI scheint das neue Buzzword der Branche zu sein, das nun in jedem Produkt steckt und als vermeintliche Wunderwaffe den eCommerce in neue Sphären hebt. Zuerst sei aber der Kommentar erlaubt, dass mindestens 50 Prozent dieser Tools nicht mit AI arbeiten, sondern eher mit Big Data Lösungen. Also Software, die viele Informationen sammelt und daraus mit relativ einfachen Algorithmen die richtigen Schlüsse zieht. Wenn Sie wissen wollen, was AI wirklich ist, kann ich Ihnen den Kurs der finnischen Regierung "Elements of AI" sehr ans Herz legen. In diesem Kurs lernen Sie, was AI ist und was es nicht ist. Kurz gesagt, der Begriff AI verkauft sich gut und wird deshalb gerne verwendet; lassen Sie sich hiervon aber nicht täuschen.

Dort, wo AI aber bereits Einzug gehalten hat und man wirkliches "Machine Learning" vorfindet, sind die Möglichkeiten, die sich einem erschließen enorm. Gerade in der vorhersagenden Analyse können mittlerweile tolle Features in Shops eingebaut werden. Der Shop weiß sehr genau, was Sie als Nächstes tun werden und welche Kaufabsicht Sie haben. Wenn Sie beispielsweise vor kurzem erst ein Smartphone in diesem Shop gekauft haben, ist es wahrscheinlich, dass Sie beim Eingeben des Smartphone-Namens in die Suche eher ein Zubehörteil suchen, als dasselbe Smartphone noch einmal. Tools wie diese verbessern die Benutzerfreundlichkeit erheblich und machen Ihren Kunden das Leben leichter.

Wunderbares Frühlingswetter umrahmte den Tag auf der eCommerce Expo

Content und eCommerce werden Eins

Bisher war es tatsächlich nicht unbedingt einfach, gute eCommerce Lösungen zu finden, die trotzdem auch die Möglichkeit bieten, auf einfache Weise Content zu pflegen und diesen den Besuchern anzubieten. Viele hochklassige Shopsysteme verfügten bisher über eher mangelhafte Blogging Möglichkeiten. Auch die ansprechende Gestaltung von Landing-Pages war mehr schlecht als recht. Hier tut sich einiges, wie beispielsweise in der neuen Shopware 6 Version. Es wird immer einfacher, Erlebniswelten zu schaffen und dem Kunden nicht nur Produkte anzuzeigen, sondern ihm auch Inspirationsmöglichkeiten zu geben. Shopping wird auch in der digitalen Welt immer emotionaler.

eCommerce und Websites werden schneller

Wenn Sie ein fleißiger Leser unseres Blogs oder Hörer unseres Podcasts sind, wissen Sie, dass auch uns das Thema Ladezeit sehr am Herzen liegt, da es nicht nur über zufriedene Nutzer entscheidet, sondern mittlerweile auch ein Google Ranking Faktor ist. Auf der Messe spielte auch dies eine große Rolle. Gleich mehrere Dienste zeigten, wie effektiv Bildverkleinerung heute ist. Aus mehreren hundert Kilobyte werden mit einfachsten Mitteln wenige dutzend Kilobyte, ohne dass diese Einsparung sichtbar wäre. Moderne Bildformate und intelligente Komprimierungs-Methoden machen's möglich. Auf der Messe haben wir festgestellt, dass wir gerade in diesem Zug sehr weit vorne dabei sind. Wir nutzen schon seit Jahren Bildverkleinerungs-Methoden und intelligente Bildskalierungs-Methoden, um die Websites unserer Kunden noch schneller zu machen. Aber auch hier darf man nicht stehen bleiben, denn neue Formate wie das WebP Format setzen sich immer weiter durch und werden auch hier noch einiges an Potenzial an den Tag legen.

eCommerce findet da statt, wo Ihre Kunden sind

Moderner eCommerce hat den Desktop Rechner längst verlassen. Ein großer Teil des eCommerce Umsatzes wird mobil gemacht. Zahlreiche Kunden kaufen mobil ein und erledigen Bestellungen fast schon nebenbei auf Ihrem Smartphone. Aber auch der Multichannel Ansatz spielte eine große Rolle auf der Messe. Mehr und mehr Anbieter bieten die Möglichkeit mit einer Software alle großen Marktplätze zu bedienen. Hierbei nimmt die Intelligenz zu. Die verfügbaren Bestände je Marktplatz werden intelligent, je nach Mitbewerber angepasst und die Preise dynamisch, je nach Provision des Marktplatzes angepasst.

Voice Search und eCommerce per Sprache

Dieses Thema habe ich etwas vermisst. In unserem Blogbeitrag zum Thema Voice Search haben wir ja bereits intensiv über die anstehenden Veränderungen berichtet, die uns durch die sprachbasierte Suche von Alexa, Siri und co. bevorstehen. Auf der Messe behandelte kaum ein Aussteller das Thema. Einzig auf dem Shopware-Stand, der eindrucksvoll die neuesten Features der Version 6 vorstellte, wurde über das Thema gesprochen. Neue Denkweisen machen es hier möglich, wesentlich besser auf einzelne Kanäle einzugehen und passgenaue Inhalte auszuspielen. Es bleibt aber hier spannend, ob sich das Thema weiter durchsetzen wird.

JTL greift an

Der eCommerce Kuchen wächst in enormer Geschwindigkeit und jeder möchte ein Stück davon abhaben. Besonders gut macht dies unserer Meinung nach JTL. Der deutsche Anbieter hat eine eigene kostenfreie Warenwirtschaft auf den Markt gebracht, die sehr leistungsfähig ist und die Direktanbindung des JTL Shops ermöglicht. So entsteht eine perfekte Einheit aus Warenwirtschaft und Online-Shop. Synchronisierungsprobleme, die man bei anderen Lösungen, bestehend aus verschiedenen Systemen von verschiedenen Anbietern oft hat, gehören der Vergangenheit an. Wir setzen gerade ein JTL Projekt mit einem JTL Warenwirtschaftspartner aus unserer Region um und freuen uns, schon bald über die Ergebnisse berichten zu dürfen.

Fazit zur eCommerce Messe in Berlin

Das Thema eCommerce wird immer größer. Reichte es früher, eine gute Warenwirtschaft mit Schnittstelle zu einem guten Shopsystem zu haben und per Middleware andere Marktplätze angeschlossen zu haben, wird das Thema heute komplexer. Suchfunktionen werden ausgelagert, um sie besser und effektiver zu machen. Ganze Darstellungen und Filter werden von externen Diensten ausgeliefert und auch das Thema künstliche Intelligenz, Content Marketing und intelligenter Retargeting werden immer größer. Umso wichtiger ist es, in diesem Bereich Partner zu haben, die komplexe technische Sachverhalte erklären können. Wir hoffen auch in Zukunft Ihnen so ein Partner sein zu können.

Geschrieben von
Florian Werner