Einkaufstüte symbolisiert die Kauflaune in der Corona-Krise

Was bedeutet die geänderte Mehrwertsteuer für Ihr Unternehmen

・verfasst von Florian Werner


Wow! Ich habe lange überlegt, wie ich diesen Blogbeitrag beginne und mit welchen Worten ich starte, um das Thema bestmöglichst einzuleiten, aber, um es offen zu sagen, trifft es das Wort “Wow” am besten. Als wir vor nicht mal zwei Wochen den Medien entnommen haben, dass die Mehrwertsteuer in ganz Deutschland in einem befristeten Zeitraum gesenkt werden soll, war der erste Gedanke erstmal “toll, damit können wir unsere Leistungen unseren Kunden, welche nicht vorsteuerabzugsberechtigt sind, günstiger anbieten”. Doch dieser Gedanke legte sich schnell, denn nur Sekunden später kreisten meine Gedanken um alle Probleme, die sich dadurch ergeben. Doch starten wir erstmal von vorne.

Wie Sie sicherlich gehört und gelesen haben, haben sich die regierenden Parteien auf ein weitläufiges Programm zur Förderung der Konjunktur in der Corona-Krise geeinigt. In diesem Paket wurden unter anderem ein Kinderbonus oder Förderungen für Elektro-Autos beschlossen. Der entscheidende Punkt ist aber, dass die Mehrwertsteuer von 19 % auf 16 % und von 7 % auf 5 % gesenkt wird, und zwar in einem befristeten Zeitraum, nämlich vom 01.07.2020 bis zum 31.12.2020. 

Einig sind sich die Politiker auf jedem Fall in einem Punkt. Die Senkung soll durch neue Kaufanreize die Wirtschaft ankurbeln. Dabei erklärt die Bundesregierung klar, dass es das Ziel der Senkung sei, dass diese auch beim Verbraucher ankommt, also der Brutto Preis gesenkt werden solle. Hierbei ermahnt auch die Politik die Händler, dies so umzusetzen und ermuntert Kunden, die Händler, die dies nicht tun, darauf anzusprechen.

Gerade in gebeutelten Branchen wie der Gastronomie wird es den Gastronomen eine helle Freude sein, nach Monaten der roten Zahlen nun auch noch alle Speisekarten neu zu drucken. 

Nun aber zurück zum Thema: was bedeutet das nun für Sie als Onlineshop Betreiber bzw. generell als Unternehmen? 

Frau zeigt zwei Möglichkeiten
Sie haben zwei Möglichkeiten, um mit der Änderung der MwSt. umzugehen

Welche Möglichkeiten haben Sie, um mit der geänderten MwSt. umzugehen?

Grundsätzlich haben Sie zwei Möglichkeiten:

1. Sie senken die Brutto Preise

So geben Sie die Preisersparnis direkt an Ihre Kunden weiter und Ihre Kunden freuen sich über einen etwas niedrigeren Preis. Übrigens aufgepasst, hier passiert oft ein Rechenfehler, denn die Ersparnis des Kunden sind hierbei nicht 3 %. Ein Artikel der vorher 100 Euro brutto gekostet hat, kostet mit 16 % MwSt. 97,47 Euro und nicht 97,00 Euro.

 

2. Die Brutto-Preise bleiben gleich

Dadurch erhält Ihr Kunde keinen günstigeren Preis, Sie aber einen höheren Gewinn. Gerade nach einer langen und harten Durststrecke ist dies eine Option, mit der viele Unternehmer liebäugeln werden und wir können es voll verstehen.

Diese Entscheidung muss man wirklich genau abschätzen, denn die MwSt. Änderung wird medial an die gesamte Bevölkerung kommuniziert. Es wird schlicht und ergreifend nicht passieren, dass Ihre Kunden nicht von der Senkung der Mehrwertsteuer erfahren. Ihre Kundschaft wird wissen, dass ihr nun ein niedrigerer Brutto-Preis zusteht. Und hier wird es nun verzwickt.

Welchen Weg Sie gehen, sollten Sie als Unternehmen genau abschätzen. Hierbei ist neben der Abschätzung der wirtschaftlichen Seite vor allem auch die Kommunikation und die Einschätzung Ihrer Kunden besonders wichtig.

Worauf Sie bei Ihrem Onlineshop achten sollten

Die meisten Onlineshops arbeiten bereits mit einem variablen MwSt. Satz bzw. Sätzen. Dies ist auch bei allen von uns eingesetzten Shop-Systemen so. Schließlich ist dies gerade, wenn man international verkauft, auch nicht die erste Änderung des Steuersatzes. Die meisten Shop-Systeme kommen gut mit der Umstellung zurecht. Was jedoch gerade hier schwierig wird, ist die Einführung und das Ende dieses Zeitraums, da für den MwSt. Satz die Lieferung des Produkts entscheidend ist. Viele Shops generieren jedoch die Rechnung entweder bei der erfolgreichen Bezahlung des Produkts z.B. mit PayPal oder bei der Übergabe an den Versanddienstleister. Wird nun ein Produkt am 30.06. bestellt und kommt erst im Juli an, müsste dies eigentlich bereits mit 16 % MwSt. berechnet werden. Dies gilt dann im Umkehrschluss natürlich auch im Dezember, wenn die Mehrwertsteuer wieder von 16 auf 19 Prozent erhöht wird. 

Wichtig ist auch, dass Sie sich Gedanken machen wie z.B. bereits ausgestellte Gutscheine mit einem Bruttowert verrechnet werden sollen. Hier kann es zum Unmut der Kunden kommen, da diese z.B. einen Gutschein für ein bestimmtes Produkt im Wert von 50 Euro im Juli kaufen und dies dann im nächsten Jahr nicht mehr dafür einsetzen können, da das Produkt nun wieder einen höheren Brutto-Preis hat. Auch bei der Stornierung und Gutschrift muss genau überlegt werden, ob und welche Probleme hier auftauchen können. 

Was eine ehrlich gesagt unglaubliche Herausforderung für uns wird, ist die zeitliche Komponente. Schließlich können wir uns nicht mehrere Monate auf die Umstellung vorbereiten und Strategien entwickeln, sondern müssen die Umstellung in drei Wochen bereits erledigt haben. Richtig spaßig wird auch unser Silvester 2020. Wir rechnen schon jetzt fest damit, dass wir wohl Silvester in der Agentur feiern dürfen, da sich die Änderung der MwSt. Sätze in vielen Shops nicht vollautomatisch vollziehen lassen und natürlich derart tief greifende Änderungen auch sauber getestet werden müssen.

Was heißt es nun konkret für Sie? Wir sind als Agentur Ihr technischer Ansprechpartner für Ihren Onlineshop und werden, das versprechen wir Ihnen, dieser Verantwortung, soweit es uns nur möglich ist nachkommen. Wir sind aber keine Steuerberater und können Ihnen aus diesem Grund keinen Rat geben, was nun wie geändert werden muss. Dies ist gerade im Einzelfall auch höchst unterschiedlich und von vielen Faktoren abhängig. Bitte kontaktieren Sie deshalb erst Ihren Steuerberater, welche Adaptionen in Ihrem Shop nötig sind und kommen Sie dann idealerweise mit einer Zusammenfassung auf uns zu. Je früher, umso besser.

Mann prüft Briefvorlagen auf Mehrwertsteuer
Prüfen Sie auch Ihre Vordrucke, ob hier die MwSt mit 19 bzw. 7 Prozent erwähnt wird

Worauf Sie als Unternehmer bei der geänderten MwSt. achten sollten?

Bitte prüfen Sie Ihre Preislisten, Speise- oder Getränkekarten. Ist hier ein Hinweis wie z.B. “inkl. 19 % MwSt.” vermerkt, muss dieser zwingend abgeändert werden. Der Vermerk “inkl. gesetzlicher MwSt.” muss übrigens nicht abgeändert werden. Gehen Sie bei Ihrer Prüfung bitte gewissenhaft vor. Solche Angaben können sich auch in Angeboten, Vorlagen oder sogar Ihrem Briefpapiervordruck befinden. Wir empfehlen an dieser Stelle direkt eine Liste dieser Dokumente anzufertigen, da Sie diese sechs Monate später wieder brauchen werden.

Auch Ihre Website sollten Sie auf das Vorkommen dieses Hinweises prüfen. Hier kann man die Adaption aber oft vollständig automatisieren. 

Für unsere ERP, CRM und Software Kunden

Bitte prüfen auch Sie, wahrscheinlich in Zusammenarbeit mit Ihrem Steuerberater, welche Änderungen in Ihrem System gemacht werden müssen und kommen Sie so schnell wie möglich damit auf uns zu. Wir werden auch hier unser Möglichstes tun, diese Änderungen schnellstmöglich mit einem Update in Ihr System zu spielen. Bitte beachten Sie auch, dass nicht nur Rechnungen und Angebote von dieser Umstellung betroffen sind, sondern auch Gutschriften die Sie erstellen oder Rechnungen, die Sie verbuchen. Auch hier müssen evtl. Anpassungen vorgenommen werden.

Wichtig ist auch das Layout Ihrer Rechnungen. Hier kann es beispielsweise der Fall sein, dass Sie auf einer Rechnung verschiedene Mehrwertsteuersätze ausweisen müssen, auch wenn Sie dies vorher nie gebraucht haben. Hier sollte die Funktion frühzeitig implementiert werden.

Zwei Männer überprüfen, welche Auswirkung die Änderung der Mehrwertsteuer auf Ihr Unternehmen hat
Prüfen Sie genau, wo die Änderung der MwSt. festgehalten werden muss

Fazit zur Umstellung der Mehrwertsteuer

Was eigentlich der Wirtschaft helfen sollte, kann jetzt für viele kleine Betriebe zur Nervenprobe werden. Gerade im digitalen Bereich ist die Software z.B. für Onlineshops glücklicherweise meist sehr modular aufgebaut und man kann Mehrwertsteuer-Sätze selbst definieren. Auch sei als gute Nachricht noch erwähnt, dass gerade viele Shop-Entwickler an Skripten arbeiten, die die Umstellung der Mehrwertsteuer-Sätze jeweils um 0:00 Uhr automatisieren. Ein ausführliches Testing im Voraus werden diese zwar auch nicht ersetzen können, wohl aber einen massiven Arbeitseinsatz um Mitternacht. 

Und bitte verstehen Sie uns nicht falsch, grundsätzlich finden wir eine Steuersenkung natürlich gut. Die besondere Herausforderung liegt hier vor allem in der zeitlichen Komponente und in der späteren Erhöhung, die diese Umstellung wieder rückgängig macht. Gemeinsam werden wir aber auch diese Herausforderung bestehen. Melden Sie sich gerne bei uns, wir sind gerne für Sie da.

Geschrieben von
Florian Werner